Qualifizierungsmodul für Leitungs- und Führungskräfte

Diakonische Kirchenentwicklung ‒ eine Führungs- und Leitungsaufgabe

Eine globale Tragödie wie die Covid-19-Pandemie hat für eine gewisse Zeit wirklich das Bewusstsein geweckt, eine weltweite Gemeinschaft in einem Boot zu sein, wo das Übel eines Insassen allen zum Schaden gereicht. Wir haben uns daran erinnert, dass keiner sich allein retten kann, dass man nur Hilfe erfährt, wo andere zugegen sind. Daher sagte ich: »Der Sturm legt unsere Verwundbarkeit bloß und deckt jene falschen und unnötigen Gewissheiten auf, auf die wir bei unseren Plänen, Projekten, Gewohnheiten und Prioritäten gebaut haben. […]
Mit dem Sturm sind auch die stereotypen Masken gefallen, mit denen wir unser ‚Ego‘ in ständiger Sorge um unser eigenes Image verkleidet haben; und es wurde wieder einmal jene segensreiche gemeinsame Zugehörigkeit offenbar, der wir uns nicht entziehen können, dass wir nämlich alle Brüder und Schwestern sind«.

Papst Franziskus, Enzyklika fratelli tutti, Nr. 32

Mit diesen Worten beschreibt Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika zur Geschwisterlichkeit und zur sozialen Freundschaft eine globale Perspektive, die auch eine lokale Wirklichkeit hat. Dieser „Sturm“ fordert Organisationen heraus: die Welt ist flüchtig, unvorhersehbar, unsicher, vielschichtig und mehrdeutig – nicht nur aufgrund der Pandemie, die Digitalisierung nimmt Fahrt auf, das kirchliche Leben verändert sich …

Worum es in diesem Qualifizierungsmodul inhaltlich geht

In unterschiedlichen Kontexten stellen sich die Fragen: Wie wollen wir in Zukunft leben? Und wie können wir sinnstiftend den weltweiten gesellschaftlichen und kirchlichen Veränderungsprozess vor Ort mitgestalten?
Damit wird die in der Synode gestellte Frage „Wozu sind wir Kirche?“ brisanter – und die Option der Synode, dass die Kirche im Bistum Trier sich zu einer diakonischen Kirche entwickelt, dringender. Dafür braucht es eine Entwicklung der gesamten Organisation. Die Rolle von Führungskräften ist in diesem Veränderungsprozess zentral, vielleicht sogar entscheidend.

Was bedeutet dies also für Menschen, die führen und leiten?

Welche Orientierungspunkte gibt es?

Welches Leitungs- und Führungsverständnis ist hilfreich?

Wie können wir Räume für Potenzialentfaltung eröffnen und offen halten?

In diesem Qualifizierungsmodul werden wir uns die Inhalte einer diakonischen Kirchenentwicklung erschließen und mit dem Thema Führen (Leadership) und Leiten (Management) verknüpfen. Diese Themen miteinander zu verbinden ist Neuland und eine Entwicklungsaufgabe, für die das Seminar Erfahrungs- und Lernräume eröffnet. Neben fachlichen Impulsen werden Praxisbeispiele aus dem Bistum Trier uns helfen, unsere Wahrnehmung, unsere Kriterien und unsere Fragen zu schärfen und daraus konkrete Perspektiven zu entwickeln.

Wesentlich ist bei alldem der durchgehende Austausch zwischen den Leitungskräften der unterschiedlichen kirchlichen Organisationsstränge. So können Chancen, Kriterien und Perspektiven für die künftige Praxis vor Ort, für die eigene Leitungsaufgabe und die künftige Zusammenarbeit in einer diakonischen Kirche entdeckt werden.

Passend zu diesem offenen Prozess orientieren wir uns in der Arbeitsweise an der Themenzentrierten Interaktion (TZI), ein Lernkonzept, das sich für eine diakonische Kirche besonders eignet.

Wer kann teilnehmen?

Eingeladen sind Leitungskräfte der unterschiedlichen kirchlichen Organisationsstränge, die im Austausch mit Personen aus anderen kirchlichen Organisationssträngen in ihrer Führungs- und Leitungsrolle die diakonische Kirchenentwicklung vor Ort anstoßen, fördern und stärken möchten.
Konkret eingeladen sind Personen mit Leitungs- und Führungsaufgaben

  • aus dem Bereich der lokalen Seelsorge: in den Pastoralen Räumen (Leitungsteams), in den Pfarreiengemeinschaften bzw. Pfarreien (Pfarrer und Pfarrverwalter, Koordinator*innen der Seelsorge), in der kategorialen Seelsorge (Leitungsfunktion zum Beispiel in der Krankenhaus-seelsorge) und in pastoralen Projekten (Projektleitung)
  • aus dem Bereich der örtlich organisierten Caritas in OCV‘s, Personalfachverbänden, Caritas-Trägergesellschaften etc. (Geschäftsführung/Direktion, Fachbereichsleitung, Einrichtungs- und Dienststellenleitung)
  • Leitungspersonen von lokal angesiedelten Bistumseinrichtungen (z. B. Gesamtleitungen der Kath. Kita gGmbHs, Leitung von Lebensberatungsstellen, katholischen Familienbildungsstätten, Fachstellen der Erwachsenenbildung etc.).

Es dient der weiteren Vernetzung, wenn mehrere Leitungs- und Führungskräfte aus demselben lokalen Kontext gemeinsam an dem Qualifizierungsmodul teilnehmen. Daher laden wir Sie ausdrücklich ein: Gehen Sie auf andere Leitungskräfte zu, mit denen Sie vor Ort schon in Kontakt sind bzw. stärker kommen möchten, und regen Sie Ihre gemeinsame Teilnahme an!

Ein Kurs in Entwicklung

Dreimal hat dieses Qualifizierungsmodul als Pilotveranstaltung stattgefunden: im November 2020 sowie im März und im Mai 2021, jeweils mit rund 30 Führungs- und Leitungspersonen aus allen drei Bereichen, coronabedingt in digitaler Form. Im Frühjahr 2022 konnten wir den vierten Kurs in Präsenzform gestalten. Auf der Grundlage der Erfahrungen und Rückmeldungen der Teilnehmenden haben wir das Format sukzessive weiterentwickelt und wollen das weiter tun.

Nächster Kurs:

Kurs 2/2022

13.‐14. Dezember 2022 und 24. Januar 2023
Ort: Trier, Robert Schuman Haus
mit (digitalem) Vortreffen am 2. Dezember 2022, 9:00 bis 11:30 Uhr
Anmeldeschluss: 14. November 2022

► Bitte beachten Sie: Termin angepasst!
Kurs 2/2022 war zunächst für den 12.-14. Dezember angekündigt. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Zeitmodell von Kurs 1/2022 (zwei Tage am Stück, der dritte Tag einige Wochen später) werden wir aber nun auch Kurs 2/2022 in dieser Form durchführen.

Die Teilnahme ist für Sie kostenfrei.

Vortreffen (in digitaler Form)

Um uns gemeinsam auf die drei Tage einstellen zu können, laden wir Sie zu einem Vortreffen ein. Es findet als Videokonferenz statt, den Link erhalten Sie nach der Anmeldung. Wir möchten einen ersten Kontakt ermöglichen und informieren; vor allem aber möchten wir erfahren, was Ihr Interesse ist und welche Erfahrungen und Perspektiven Sie einbringen möchten. Wir freuen uns darauf, dass Sie aktiv diese Tage mitgestalten. Eine Möglichkeit besteht darin, dass Sie zu den Praxisbeispielen, die wir vorbereiten, ein eigenes Praxisbeispiel beisteuern.

Vorbereitungsteam und Leitung

Dr. Christoph Rüdesheim, Leiter des Theologisch-Pastoralen Instituts in Mainz
Hermann Krieger, Fortbildungs-Akademie des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg
Gabriele Kloep-Weber, Mitglied des Leitungsteams für den Pastoralen Raum Koblenz
Annika Burggraaff, Referentin Diakonische Kirchenentwicklung im Diözesan-Caritasverband Trier e. V.
Stefan Nober, Referent Diakonische Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat Trier